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Migrationsgeschichte
Eine völlig transformierte Gesellschaft
Geschichte |
01. März 2026 |
Autor: Michael Paulwitz |
Ein Deutscher aus dem Jahre 1956, der auf einer Zeitreise siebzig Jahre in die Zukunft in unsere Gegenwart katapultiert würde, wüßte nach einem irritierten Blick auf das ihn erwartende Stadtbild vermutlich gar nicht zu sagen, in welchem Land oder gar auf welchem Kontinent er sich überhaupt befindet. Die Einwanderung von Ausländern bedeutet die wahrscheinlich größte und tiefgreifendste Substanzveränderung, die Deutschland und die deutsche Nation in Friedenszeiten erfahren haben. Dabei war die Ausländermigration in das nach 1949 politisch reorganisierte Rumpfdeutschland das Ergebnis von politischen Entscheidungen, die deutsche Regierungen in Reaktion auf konkrete politische Großlagen selbst getroffen hatten.
Auf der Zeitachse der Bevölkerungsentwicklung läßt sich diese Wechselwirkung deutlich ablesen. Den ersten Migrationsschub brachte die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland seit Mitte der fünfziger Jahre und seit 1961 aus der Türkei. Die Aufweichung der ursprünglich strikten Rotationsregeln und die Einführung und Beibehaltung des Familiennachzugs sorgten dafür, daß der Migrationsstrom auch nach dem Anwerbestopp von 1973 anhielt und die ausländische Wohnbevölkerung weiter anwuchs.
Quelle: Statistisches Bundesamt Grafik: JF
Mit den Asylkrisen der 1980er Jahre kamen weitere Millionen Migranten von überwiegend nichteuropäischer Herkunft ins Land. Der „Asylkompromiß“ von 1993 beendete zwar zunächst das unkontrollierte weitere Ausufern der Asyl-Zuwanderung, ohne jedoch die Hintertüre des Asylmißbrauchs jemals ganz zu schließen. Von vier Millionen im Jahr 1973 war die Anzahl der ausländischen Staatsbürger in Deutschland 1995 auf über sieben Millionen angestiegen und verharrte die nächsten zwei Jahrzehnte auf diesem Niveau.
„Migrationshintergrund“ zeigt wahres Ausmaß der veränderten Gesellschaft
Das Wiederanschwellen dieser Zuwanderungsströme seit 2010 und der vorsätzliche Kontrollverlust durch den „Willkommens“-Coup der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte einen weiteren millionenfachen Migrationsschub aus Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie den islamisch geprägten Regionen Mittel- und Südostasiens in Gang, der bis heute anhält und die ethnisch-kulturelle Transformation, Zersplitterung und Islamisierung Deutschlands rasant beschleunigt. Innerhalb von nur einem Jahrzehnt wuchs die Zahl der Ausländer in Deutschland um weitere fünf Millionen an.
Binnen weniger Generationen hat sich die Wohnbevölkerung Deutschlands durch diese Einwanderungsströme radikal verändert. Von einigen hunderttausend zu Beginn der 1950er Jahre stieg die Zahl der in Deutschland lebenden ausländischen Staatsbürger um 1960 erstmals über die Millionengrenze. Aktuell liegt diese Zahl bei 12,4 Millionen Menschen oder 14,8 Prozent der Gesamtbevölkerung, bei weiter steigender Tendenz.
Faßt man den sogenannten „Migrationshintergrund“ mit ins Auge, erschließt sich das Ausmaß der damit verbundenen gesellschaftlichen Transformation. Auf der Grundlage des Mikrozensus 2021 teilte das Statistische Bundesamt im März 2023 mit, daß bereits 17,3 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung oder 14,2 Millionen Menschen nach 1950 eingewandert seien. Hinzu kommen weitere 4,7 Millionen Menschen oder 5,7 Prozent, die als direkte Nachkommen von Eingewanderten in Deutschland leben, sowie 3,7 Millionen Menschen oder 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, bei denen nur ein Elternteil nach 1950 eingewandert war und die in der Statistik nicht als Personen „mit Einwanderungsgeschichte“ auftauchen. Je nach Erfassungsweise zählen also etwa ein Viertel bis rund dreißig Prozent der Einwohner zur Bevölkerung „mit Migrationshintergrund“.
Ein Migrationsschub folgt auf den nächsten
Unter diesen Sammelbegriff fallen höchst unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, deren Zuzug mit ganz verschiedenartigen Herausforderungen an die Aufnahmegesellschaft einhergeht. EU-Bürger, die von der europäischen Niederlassungsfreiheit Gebrauch machen, fallen ebenso darunter wie „Aussiedler“ aus der heimatverbliebenen autochthonen deutschen Bevölkerung in den abgetrennten Ostprovinzen, vor allem aus Oberschlesien, oder aus den volksdeutschen Siedlungsgebieten im rumänischen Banat und Siebenbürgen sowie aus Rußland, Kasachstan und anderen Nachfolgestaaten der zerfallenen Sowjetunion.
Der japanische Violinvirtuose und das promovierte vietnamesische Bootsflüchtlings-Kind haben „Migrationshintergrund“, der staatenlose libanesisch-palästinensische Clan-Chef mit Kettenduldung ebenfalls, auch wenn die einen und der andere außer diesem Etikett wenig sonst gemeinsam haben. Die bewußte Vermischung und Vermengung der Bevölkerungsgruppen „mit Migrationshintergrund“ ist in emotional und ideologisch geführten Einwanderungdebatten ein probates Mittel, um Probleme gezielt zu verschleiern und die Schattenseiten der Massenmigration mit Sprechtabus zu belegen.
Sprachkosmetik und Redeverbote schaffen allerdings kein ungelöstes Problem aus der Welt. Charakteristisch für die Migration nach Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg ist, daß der nächste Migrationsschub erfolgt, bevor die negativen Begleiterscheinungen des vorangegangenen verdaut waren.
Tabuisierung schafft Realität nicht aus der Welt
Parallelgesellschaften und Ghettobildungen unter im Land gebliebenen türkischen Arbeitsmigranten und ihren Nachkommen, die sich von der deutschen Mehrheitsgesellschaft abkoppelten und neben ihr oder gegen sie her lebten, bereiteten Politik und Medien schon vor dem „Anwerbestopp“ von 1973 Kopfzerbrechen. Die Massenzuwanderung aus Afghanistan, Syrien und dem Mittleren Osten übertrifft und vervielfacht diese Hypothek in Rekordzeit. Islamisierung und importierter islamischer Terror bedeuteten bereits eine handfeste Bedrohung, bevor die Öffnung der Schleusen für illegale Asylzuwanderung die Weichen für unkontrollierten millionenfachen Zustrom aus dem islamisch-orientalischen Raum stellte.
Die Sicherheitsbehörden, die bereits mit der arabischen Clan-Kriminalität überfordert waren, die sich seit den ersten Asylkrisen im Land ausbreitete, müssen sich jetzt auch noch mit deren frisch importierter syrischer Konkurrenz herumschlagen.
Keine verordnete Tabuisierung kann indes die demographischen Realitäten aus der Welt schaffen: Deutschlands Wohnbevölkerung durchläuft eine sich selbst beschleunigende Transformation und wird mit wachsender Geschwindigkeit weniger ethnisch deutsch und weniger europäisch. In den Alterskohorten oberhalb 50 Jahren dominiert bislang noch die autochthone Bevölkerung, nicht zuletzt dank der geburtenstarken Jahrgänge, die sich schrittweise aus dem Arbeitsleben und aus dem Straßenbild zurückziehen. Schon heute präsentiert sich die Innenstadt einer deutschen Großstadt am Vormittag ganz anders als am späteren Nachmittag oder Abend. In großen Teilen Westdeutschlands und in Berlin stellen Menschen „mit Migrationshintergrund“ bereits fast die Hälfte oder sogar mehr als 50 Prozent der Bevölkerung unter 16 Jahren.
Staatsvolk wird massiv umgebaut
In Berlin hat jede siebte Grundschulklasse einen Migrantenanteil von mehr als 75 Prozent. Die hohe Kriminalitätsbelastung etlicher Migrantengruppen vor allem aus dem afrikanischen und orientalischen Kulturkreis sowie deren geringe Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt wird sich dramatisch auf Wirtschaftsleistung, Sozialsysteme und innere Sicherheit auswirken. Lehrkräfte berichten hinter vorgehaltener Hand von Deutschenfeindlichkeit und Islamisierungsdruck an den Schulen.
Quelle: Statistisches Bundesamt Grafik: JF
Nicht nur die Wohnbevölkerung, auch das Staatsvolk wird durch forcierte Einbürgerung massiv umgebaut. Bereits 1991 führten die damalige CDU-Bundesregierung und ihr Innenminister Wolfgang Schäuble über das Ausländergesetz die Anspruchseinbürgerung ein, welche die bis dahin allein gültige restriktive Ermessenseinbürgerung nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 zunehmend verdrängte. Die rot-grüne Reform des Staatsbürgerschaftsrechts 1999 lockerte die Kriterien weiter, führte die automatische Einbürgerung von im Lande Geborenen nach dem Territorialprinzip und die reguläre Hinnahme doppelter Staatsbürgerschaften auch bei außereuropäischen Eingebürgerten ein.
Gesellschaft fragmentiert entlang ethnischer Grenzen
Hunderttausende werden seither Jahr für Jahr mit dem deutschen Paß ausgestattet, seit 2018 vermehrt Asylzuwanderer aus Syrien, Irak und Afghanistan. Nachfolgende Bundesregierungen haben die Anforderungen und Fristen für die Einbürgerung weiter gesenkt. Das großzügige Verteilen deutscher Pässe mag die Statistiken schönen, aber nicht die Realität. Die schleichende Transformation des Staatsvolks, des Souveräns, kommt einem kalten Putsch gleich und treibt die Fragmentierung des einstigen Nationalstaats der Deutschen entlang ethnischer Interessenlinien voran.
Der Politikwissenschaftler Yascha Mounk erklärte 2018 gegenüber den deutschen Leitmedien in bemerkenswert zynischer Offenheit, daß „wir“ – gemeint: die herrschenden Eliten – „hier ein historisch einzigartiges Experiment wagen, und zwar eine monoethnische, monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln“. Der Ausgang dieses Experiments ist ungewiß. Den Preis dafür werden andere zahlen als diejenigen, die es in Gang gesetzt haben.
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